Modellbahn richtig fotografieren!

Heutzutage trägt fast jeder von uns eine ziemlich leistungsstarke Kamera in der (Hosen-)Tasche mit sich herum. Die beste Kamera nützt allerdings wenig, wenn man sie nicht richtig einzusetzen weiß.

Obwohl viele Smartphones die Fotos mittlerweile automatisch nachbearbeiten, kann man mit ein bisschen Geschick und den richtigen Apps mehr aus dem Sensor des eigenen Smartphones herausholen.

In diesem Artikel möchte ich beschreiben, wie ich meine Modelle mit meinem Smartphone fotografiere und dabei die (für mich) optimalsten Ergebnisse erziele.

Doch was ist überhaupt das (mein) Problem?

Durch die kurze Distanz zwischen Kamera und Modell wird durch die bei Smartphones im Verhältnis zur Sensorgröße relativ große Blende der Fokusbereich ziemlich klein. Daher ist es nahezu unmöglich das komplette Modell in den Fokusbereich zu bekommen.

In diesem Fall ist der Fokus der Kamera auf die Front der Lokomotive gesetzt, man sieht die Unschärfe des hinteren Bereichs sehr gut am Stromabnehmer.

Fokussiere ich jedoch den Stromabnehmer, wird die Front der Lokomotive unscharf. Wie kann ich jetzt quasi das Beste aus beiden Welten bekommen?

Fokus bracketing!

Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine interessante Technik. Die Kamera muss in der Lage sein eine Serienaufnahme mit automatischer Verschiebung des Fokusses aufzunehmen. Dadurch wird unser Modell in einzelne, scharf fokussierte „Scheibchen“ zerteilt.

Teure Systemkameras und auch Digitalkameras besitzen solche Funktionen häufig, jedoch wollen wir ja das Beste aus unserem Smartphone rausholen und keine teure Kamera kaufen nur um unsere Modelle zu fotografieren. Smartphonekameras besitzen zwar eine Fülle an eingebauten Funktionen und Filtern, jedoch ist mir keins bekannt, welches von Werk aus mit einer Funktion für Fokus bracketing ausgeliefert wird.

Wie nehmen wir also eine Serienaufnahme auf?

Hier kommen Drittanbierter Apps ins Spiel. Für beide gängigen Smartphone Betriebssysteme gibt es sicher nicht nur eine Lösung. Da ich ein iPhone 15 Pro Max besitze, möchte ich zuerst meinen Weg für iOS beschreiben.

Für das Aufnehmen der Serienaufnahme verwende ich die App CameraPixels, welche im AppStore verfügbar ist.

Für die Nutzung der vollen Auflösung der Kamera muss möglicherweise das „Full Resolution Pack“ gekauft werden (8,99€). Für das Ausprobieren reicht aber auch die kostenlose Lite Version.

Nach dem Öffnen der App tippen wir zunächst auf „Mode“ um den Kameramodus zu wechseln.

Anschließend tippen wir auf „Fokusbracket“ um den Modus zu wechseln.

Um unsere Einstellungen zu treffen, tippen wir auf „Set“.

Bei „Anzahl Abbildungen“ stellen wir die gewünschte Anzahl der Einzelfotos ein. Je mehr Fotos wir aufnehmen, desto feiner wird das Ergebnis. Mit den beiden Optionen „Minimaler Abstand“ und „Maximaler Abstand“ legen wir den Anfangs- und Endbereich des Fokusses der Serienaufnahme fest. „0“ entspricht hierbei der minimalen Distanz, welche eure Smartphonekamera fokussieren kann und „100“ die maximale Distanz. Ich empfehle außerdem den „Timer“ auf 1 Sekunde zu stellen, damit durch das Antippen des Smartphonedisplays beim Auslösen der Serienaufnahme das erste Bild nicht verwackelt.

Tippen wir in den Aufnahmebereich auf eine Stelle, so zeigt uns der Autofokus in der rechten oberen Ecke den Abstand an. Wenn man hier auf den gewünschten Anfangs- und Endbereich tippt, bekommt man eine Idee, welche Einstellungen man treffen muss. Es empfiehlt sich hierbei jedoch den Wert nach unten sowie oben um etwa 5-10 niedriger, bzw. höher einzustellen. Überschüssige Fotos kann man schließlich löschen, fehlende Fotos sind jedoch ärgerlich.

Wie wird daraus jetzt ein einzelnes Fotos?

Programme wie Adobe Photoshop o.Ä. bieten die nötigen Funktionen sicherlich auch, jedoch gibt es eine simple, kostenlose all-in-one Lösung, mit der wir mit einem Klick die Fotos unserer Serienaufnahme kombinieren können.

Hierzu nutze ich „focus-stack“ von Petteri Aimonen auf GitHub. Unter „Releases“ laden wir die neuste Version für das entsprechende Betriebssystems des Computers herunter. Im Falle von Windows entpacken wir die heruntergeladene ZIP-Datei in einen Ordner. „focus-stack“ ist eine Anwendung ohne grafische Benutzeroberfläche. Wir müssen jedoch keine Angst vor der Eingabeaufforderung haben. Es genügt sich aus der Serienaufnahme die gewünschten Fotos herauszusuchen, zu markieren und dann alle gleichzeitig per drag-and-drop auf die focus-stack.exe zu ziehe. Hierdurch öffnet sich automatisch eine EIngabeaufforderung, welche den Fortschritt der Verarbeitung anzeigt. War die Verarbeitung erfolgreich, wird das entstandene Foto mit dem Dateinamen „output.jpg“ in dem Ursprungsordner der Serienaufnahme abgelegt.

Und das wars?

Jap, das wars! Es lassen sich mit zusätzlichen Anweisungen über die Eingabeaufforderung noch Einstellungen vornehmen (siehe in der Read-Me Datei). Jedoch reichen die Standardeinstellungen vollkommen aus.

Durch die Auswahl der Fotos lässt sich der Fokusbereich verschieben und so kann man beispielsweise die Wagen mit in den Fokus nehmen, oder den Hintergrund unscharf lassen.

Das Erscheinungsbild eines solchen Bildes wirkt automatisch viel hochwertiger und im Falle von Modelleisenbahn eben auch viel realistischer.

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